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Kontinuierliche Simulation digitaler Systeme

Die Simulation des Zeitverhaltens elektrischer Schaltungen auf der Ebene analoger Strom- und Spannungsverläufe (Circuit Simulation) ist einer der wichtigsten Schritte der Entwurfsverifikation integrierter Schaltkreise. Circuit Simulation ersetzt hier die früher bei diskreter Technologie übliche Vorgehensweise des iterierten Abänderns und Ausmessens eines Schaltungsprototypen. Ein Circuit Simulation Algorithmus erstellt dabei zunächst ein mathematisches Modell der zu simulierenden Schaltung, ein i.a. nichtlineares, implizites, algebraisches Differentialgleichungssystem, welches die Physik der Bauelemente und die Topologie der Schaltung beschreibt. Die eigentliche ,,Simulation``besteht in der numerischen Berechnung einer Lösung dieses Gleichungssystems. Direkte Simulationsalgorithmen diskretisieren die Differentialgleichungen mittels einer Integrationsformel und lösen in jedem Simulationszeitpunkt ein nichtlineares Gleichungssystem. Diese, aufgrund der hohen Unbekanntenzahl rechenintensive Vorgehensweise führt zu einem Verhältnis von bis zwischen Simulationsdauer und simulierter Realzeit. Relaxationsalgorithmen, die ein entkoppeltes Lösen der Gleichungen ermöglichen, führen auf Parallelarchitekturen zwar zu einer Beschleunigung um den Faktor 100 bis 200. Im praktischen Einsatz liegt aber dennoch die Obergrenze für die Komplexität simulierbarer Schaltungen bei 5.000 bis 10.000 Transistoren. Die steigende Komplexität integrierter Schaltkreise und der Wunsch IC's mit bis Transistoren nicht nur modulweise simulieren zu können, erfordert Beschleunigungen um den Faktor 1.000 bis 10.000 gegenüber der direkten Technik. Ein Vorstoß in diesen Leistungsbereich kann unter Beibehalt der Genauigkeit nur mit dem Einsatz hochparalleler Algorithmen auf speziellen Parallelarchitekturen (Simulation Engines) erfolgen.

Gegenstand der Forschungsarbeiten ist daher die Entwicklung eines Circuit Simulation Algorithmus für eine Ereignisflußarchitektur, die ihr hohes Leistungspotential bereits in den Bereichen Logik- und Fehlersimulation im Simulationsrechner MuSiC unter Beweis stellen konnte. In einem zweiten Schritt gilt es dann die Struktur und Architektur eines Spezialprozessors für die effiziente Ausführung des Algorithmus zu entwerfen.

Circuit Simulation auf einer Ereignisflußarchitektur erfordert eine Datenflußgraphdarstellung des die Schaltung modellierenden Differentialgleichungssystems einschließlich des darauf operierenden Lösungsalgorithmus. Hierzu wurde ein auf einer Bondgraphdarstellung einer elektrischen Schaltung arbeitender, neuer Algorithmus entworfen. Wesentlicher Vorteil und Unterschied dieses Ansatzes gegenüber anderen Algorithmen ist, daß die Schaltung nicht basierend auf den Kirchhoffschen Knotengleichungen repräsentiert wird, sondern als hierarchisches System von Serien- und Parallelschaltungen. Hieraus resultiert ein hoher Grad feinkörniger Parallelität auf Zweipolebene:

Simulationsergebnisse einer ersten, noch rein datengetriebenen Version des Algorithmus, die auf eine 256-Prozessor Version von MuSiC hochgerechnet wurden, bestätigen dies: Eine 700 MOS-Transistorschaltung wird gegenüber direkter Technik problemlos um den Faktor 600 beschleunigt simuliert. Der Übergang zu änderungsgetriebener Abarbeitung läßt eine weitere Leistungssteigerung um den Faktor 10 bis 20 erwarten.



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Fri Jun 3 13:37:08 MET DST 1994